Die Diplom-Journalistin arbeitete unter anderem in der Medienbeobachtung, der Markt- und Meinungsforschung und in der PR eines Großunternehmens. Sie lebt in Salzburg.

Seit dem Jahr 2008 erscheinen ihre Romane und Krimis kontinuierlich im Ulrike Helmer Verlag, darunter »Ellen«, »Die Spitzenkandidatin«, »Küsse mit Zukunft« und die Krimis »Mehr Schatten als Licht« und »In jener Nacht« (CRiMiNA).

Nominierung

Carolin Schairer war 2011 mit ihrem Roman »Marie anderswie« für den DeLiA-Literaturpreis nominiert. (Neuauflage 2019)

© Doris Anna Klinda
© Doris Anna Klinda



20 Jahre Geschichten, die bleiben – ein Gespräch mit Carolin Schairer

Seit nunmehr zwei Jahrzehnten bereichert Carolin Schairer den deutschsprachigen Buchmarkt mit einfühlsamen, spannenden und oft gesellschaftlich relevanten Romanen. Ihre Geschichten drehen sich nicht nur um lesbische Liebe, sondern auch um Identität, innere Stärke und den Mut, eigene Wege zu gehen. Zum 20-jährigen Jubiläum hat der Ulrike Helmer Verlag die Gelegenheit genutzt, mit Carolin Schairer über ihre Anfänge, ihren Schreiballtag und ihre Zukunftspläne zu sprechen.

 

HELMER: Zwanzig Jahre, über dreißig Romane – wenn Sie heute auf Ihre Anfänge zurückblicken: Was hat Sie damals angetrieben, den ersten Roman zu schreiben – und was motiviert Sie heute?

 

SCHAIRER: Dasselbe wie damals: Das Bedürfnis, unterhaltsame Geschichten zu Papier zu bringen. »Die Spitzenkandidatin« war zwar der erste Roman, der veröffentlicht wurde, aber bei Weitem nicht der erste, den ich geschrieben habe. Schon in der Grundschule habe ich ganze Hefte mit Geschichten gefüllt. Irgendwann haben mir meine Eltern dann eine Schreibmaschine geschenkt. Bis zum Abi hatte ich dreißig Kurzromane geschrieben, die von meinen Freundinnen und der Verwandtschaft gelesen wurden.

  

H.:  Ihre Romane zeichnen sich durch starke Figuren und gesellschaftlich relevante Themen aus. Gibt es einen Roman, der Ihnen persönlich besonders viel bedeutet – und wenn ja, warum?

  

S.: Der Roman, der mir am meisten bedeutet, ist immer der, an dem ich gerade arbeite. Das Schreiben ist ein schöner, manchmal auch schmerzhafter Prozess, aber das Gefühl, eine Geschichte nach mehreren Monaten zum Abschluss gebracht zu haben, ist einfach unbeschreiblich. Während des Schreibens habe ich oft Zweifel, hinterfrage alles, überarbeite gewisse Stellen mehrere Male – und finde sie dann doch noch nicht gut genug. Aus Erfahrung weiß ich, dass sich dieses Gefühl legt – spätestens dann, wenn ich das Manuskript zwei bis drei Wochen nach Abschluss nochmals lese.

  

H.: Zwei Romane pro Jahr – das klingt nach Hochleistung. Wie sieht Ihre tägliche kreative Routine aus?

 

S.: Gute Planung ist mir sehr wichtig. Tatsächlich versuche ich, jeden Tag am aktuellen Roman zu schreiben. Da mein Brotjob meinen Lebensunterhalt garantiert, muss ich ihm allerdings Priorität einräumen. Ich stehe sehr früh auf und schreibe circa ein bis eineinhalb Stunden, ehe ich frühstücke und in den Joballtag starte. Meine fertigen Skripte reiche ich immer erst ein, wenn sie fertig sind, und gerate daher nie unter Zeitdruck. Beim Verlag liegen stets zwei neue Projekte, oft kommt der Verlag kaum hinterher (lacht). Am Wochenende, besonders an Regentagen, schreibe ich natürlich mehrere Stunden. Da ich Frühaufsteherin bin, ist für mich die beste Schreibzeit morgens und am Vormittag. Von einigen anderen Autorinnen und Autoren höre ich von Mitternachtssessions und Schreiben bis in die frühen Morgenstunden. Für mich ist das nichts. Wer mich kennt, weiß, dass ab 22 Uhr grundsätzlich wenig mit mir anzufangen ist. Was das Privatleben anbelangt, so würde ich mir grundsätzlich schon wieder mehr Freizeit oder ein wenig Laissez-faire wünschen. Da dies aber bedeuten würde, das Schreiben einzuschränken, nehme ich in Kauf, dass um Entspannen oder Freunde treffen momentan weniger Zeit bleibt.

 

 H.: Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre – für sich als Autorin, aber auch für lesbische Literatur im deutschsprachigen Raum ganz allgemein?

 

Für mich persönlich wünsche ich mir, dass sich der Helmer Verlag trotz der angespannten Lage am Buchmarkt in wirtschaftlicher Hinsicht weiterhin behaupten kann und unsere Zusammenarbeit anhält. Was die Branche betrifft, wünsche ich mir natürlich, dass wieder mehr Menschen die Freude am Lesen entdecken. Dass nach meinem Gefühl immer weniger Leute Lust haben, Bücher zu lesen, macht mich schon ein wenig traurig. Grundsätzlich würde ich mir auch wünschen, dass sich wieder mehr Bewusstsein für den Wert des Buches entwickelt. Getrieben von einer Flut von im Self Publishing herausgebrachten Büchern, die meist zu Dumping-Preisen angepriesen werden, und auch der sinkenden Anzahl von Lesenden, geraten Verlage immer mehr unter Preisdruck. Vor allem trifft es dabei Kleinverlage, die nicht mit Mainstream-Themen und Übersetzungen von Bestsellern aus dem Ausland aufwarten, sondern mit Nischenthemen – und dazu gehört ganz klar auch LGBT-Literatur beziehungsweise LGBT-Belletristik. Ein qualitativ hochwertiges, lektoriertes Buch anzubieten, kostet erst einmal. Diese Erfahrung machen übrigens auch Selfpublisher und verzweifeln – wie ich den Diskussionen auf Social Media entnehme – nicht selten daran, dass sie nicht genügend Geld aufbringen können, um mit Lektorat, Werbung und Druck in Vorschuss gehen zu können. Der Verlag leistet genau das, ohne vorher einen einzigen Cent mit dem entsprechenden Buch eingenommen zu haben. Dass bei nicht allzu hoher Auflage (was im LGBT Segment nun einmal so ist) mit einem entsprechend niedrigen Buchpreis die Kosten nicht reingeholt werden können, sollte jedem einleuchten und deckt sich mit der bitteren Erfahrung, die auch viele Selfpublisher machen.

 

H.: Liebe Carolin Schairer, vielen Dank für das schöne Gespräch!