Meeresschwester

Roman

 Mit vier Jahren verschwindet die kleine Lisa an einem Strand auf Kreta. Die Suche nach ihr bleibt ergebnislos. Zermürbt und gebrochen kehren die Eltern, eine deutsche TV-Moderatorin und der Manager eines Chemiekonzerns, nach Wochen der Verzweiflung nach Deutschland zurück. Beide hadern auf eigene Weise mit sich und dem Schicksal. Über dem Paar liegt seither ein dunkler Schatten.

Jahre später taucht Lisa in Genua wieder auf. Ihr ging es all die Jahre gut – doch nun muss sie umziehen, zurück in die Ursprungsfamilie. Das geht nicht ohne Probleme. Das Kind hat schließlich nicht nur seine Muttersprache vergessen, sondern auch die Menschen, die ab jetzt Mama und Papa sein sollen. Und neben ihnen gibt es da noch Lea, die ältere Schwester. Lea, in deren Obhut sich die kleine Lisa befand, als sie verschwand. Einer von vielen Umständen, der die junge Frau mit schweren Schuldgefühlen belastet. Alles wird gut, hat sich Lea in den Jahren ohne Lisa immer wieder ermutigt. Doch ist das noch möglich?


Leseprobe

Mein Essen mag sie auch nicht«, beginnt Eva zu schluchzen. »Sie sagt, die Spaghetti Bolognese von ihrer anderen Mamma wären besser gewesen! Sie sagt, sie will wieder ihre alten Sachen und aufs Segelboot.«

Der kleine blonde Teufel.

»Und sie will kein Deutsch lernen. Sie verweigert sich total. Wenn ich kein Italienisch mit ihr rede, reagiert sie gar nicht!«

»Das Segeln ist nicht das Problem, und das Deutsch eigentlich auch nicht.« Auch wenn ich meine kleine Schwester gerade für ein ziemliches Biest halte, habe ich doch das Bedürfnis, etwas klarzustellen. »Das Problem ist, dass du dir in den sechs Jahren in deiner Fantasie ein Abbild von Lisa zusammengebaut hast, das einfach nicht der Realität entspricht. Sie interessiert sich eben nicht für rosa Kleidchen und Puppen. Na und? Davon geht die Welt nicht unter!«

»Diese Frau hat sie völlig verzogen«, erwidert Eva. »Schau dir diese Sonia Ferraro doch auf den Fotos an! Geschmacklos bis zum Letzten! Und er! Dieser Draufgänger hat sie behandelt wie den Sohn, den er wahrscheinlich immer schon haben wollte. Wenn du die Bilder vom Schiff gesehen hättest – wie sie nur wenige Zentimeter über dem schäumenden Meer hängt oder auf dem Masten herumturnt …«

»Ich kenne das Fotoalbum«, wiederhole ich geduldig. »Es ist wirklich zwecklos, auf Lisas Kosten einen Privatkrieg gegen die Ferraros zu führen. Und wenn du Lisa das Segeln verbietest und sie stattdessen ins Ballett zwingst, wird sie überhaupt kein Wort mit dir reden, das kann ich dir jetzt schon sagen!«

Ich komme mir vor wie die kleine Version von Irmgard. Und ich kann nur hoffen, dass Eva baldmöglichst wieder eine Einzelsitzung bei Irmgard hat.

»Lea! Du bist neuerdings so gar nicht du selbst. Du bist einundzwanzig, aber statt mich zu unterstützen, bist du aufmüpfig wie eine Vierzehnjährige! Hat das mit diesem Jakob zu tun?«

Nein, will ich schon sagen, doch ich überlege es mir in letzter Sekunde anders.

»Vielleicht«, antworte ich knapp, dann gehe ich in mein Zimmer und ziehe mich um.


Paperback 20,00 €

ca. 390 Seiten

ISBN 978-3-89741-434-1

eBook 16,99 €

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